James Park - Erziehung, Kultur und Selbstbewusstsein

Shownotes

James Park hat klassischen Gesang studiert. Seine Bühnenleidenschaft gehört allerdings dem Musical. Inzwischen spielt er regelmäßig an der Wiener Volksoper, die Details von James' künstlerischem Werdegang hört ihr aber besser in dieser Folge. Neben Details aus seiner Kindheit in Seoul und seiner Jugend in Dinslaken erfahrt ihr auch, wie James nach Wien gekommen ist und was ihn schließlich ins Finale von "Die große Chance" gebracht hat. James und ich haben uns bei "Rebecca" am Raimund-Theater kennengelernt. Dabei haben wir uns immer wieder in tiefen Gesprächen wiedergefunden, wenn wir uns in der Garderobe über den Weg gelaufen sind. Es ist eine große Freude, James als interessanten und interessierten Gesprächspartner in meinem Podcast zu haben. Freut euch auf ein kurzweiliges Gespräch mit diesem überaus angenehmen Kollegen.


Foto: Philipp Dietrich

Im Internet findet ihr James über seine Agentur: https://www.born-management.com/kunstlerinnen/james-park, auf Instagram: https://www.instagram.com/nopunnofun/ und bei LinkedIn: https://at.linkedin.com/in/james-park-437782214


"Hört sich gut an" erscheint bei Podigee, bei Apple Podcast, auf YouTube und (fast) überall, wo es Podcasts gibt. Aber garantiert SPOTIFREI.

Das Design für mein Logo und die künstlerische und Social-Media-Beratung für den gesamten Podcast stammt von evelyne.world,

die Musik zum Podcast hat Robert Faldner komponiert

und das Foto zu meinem Sujet kommt von Christian Ariel Heredia.

Alle meine Kontaktinfos findet ihr in meinem Linktree

Transkript anzeigen

00:00:01: Das war wie eine Meditation.

00:00:04: Ich steh da und hab diese Klarheit in meinen Kopf, ich erzähle einer Geschichte ... Und dann hören Sie mir zu!

00:00:15: Ist eigentlich wie ein heiliger Moment oder?

00:00:16: Ja

00:00:17: genau, so ein sakraler Moment.

00:00:21: Damit höheren wieder bewusst wird, hört sich gut an der Audio-Podcast von Ulrich Alroden Heute mit James Park.

00:00:34: Hallo, James.

00:00:35: Hallo!

00:00:36: Danke, dass du an einem Heiligen Sonntag hergekommen bist.

00:00:41: Ich will kurz erzählen, wo wir uns kennen.

00:00:44: Wir haben hier im Reimonteater zusammen Rebecca gespielt eineinhalb Jahre und du warst vorher schon bei Miss Seigern dabei?

00:00:50: Genau.

00:00:50: Und

00:00:50: ich glaube das war deine erste Produktion für die VBW ...

00:00:53: Auf jeden Fall genau in Wien

00:00:55: Und dafür bist du auch nach Wien gekommen, oder?

00:00:57: Genau

00:00:57: richtig.

00:00:59: Vorher

00:01:00: war ich in Deutschland, da war ich im Stadttheater Gräfeld-Männchen Gladbach und dort war ich nach meiner Ausbildung also in Opensstudio zwei Jahre und danach bin ich ins Ensemble übernommen worden mit fünfzig Prozent Solo und fünfzig prozent Chor.

00:01:18: Jemand, der direkt aus der Ausbildung kommt.

00:01:20: Genau richtig!

00:01:21: Ja genau und da habe ich auch sehr viel Erfahrung sammeln können und viele verschiedene kleinere Rollen.

00:01:27: und aber auch diese Co-Erfahrung im Open Business habe ich dann machen dürfen und das hat mir eigentlich damals auch sehr Viel Spaß gemacht.

00:01:36: und dann kam die Ausschreibung nach Wien.

00:01:39: Das heißt, du bist direkt eigentlich aus dem Opernbetrieb und da habt ihr auch schon Musicals gemacht?

00:01:44: Ja, paar!

00:01:46: Also ich glaube im Theater Griffelt habe ich drei Musicals machen dürfen.

00:01:51: Es war My For Lady das Geheimnis des Edwin Drude und Otello darf nicht platzen auf Englisch Landmirtenna.

00:01:58: Kennst Du das?

00:02:02: Eine Komödie, aber mittlerweile sehr schwierig dann so original darzustellen weil es sehr um Black Facing ging.

00:02:10: Das Witzige daran ist dann halt dass im Stück im Laufe des Stückes das dann drei Hotelos dann erscheinen und aber jeder denkt dass der andere das eigentlich ist wegen dieser Black Facing weil man das halt nicht erkennt, dass wer eigentlich Hotelor sein sollte.

00:02:26: Aber ich glaube mittlerweile haben sie das Stück auch ein bisschen geändert Und es heißt, nicht Hotel darf nicht platzen sondern Bayazzo darf nicht.

00:02:35: Dass man halt diese Element von Black Facing dann halt vom Dienststück weggezaubert hat.

00:02:41: Korrektifiziert?

00:02:42: Genau richtig!

00:02:44: Aber davor möchte ich auch, habe ich jetzt am Anfang vergessen.

00:02:47: Ich möchte mich auch herzlich bedanken für die Einladung und ich freue mich dass sich mit dir heute ein Podcast aufnehmen zu

00:02:54: dürfen.

00:02:54: Ist so ein anständiger Mensch.

00:02:55: Na bitte!

00:02:58: Ich mag wie dieses Format entstanden ist.

00:03:01: Als ich angefangen habe, wusste ich gar nicht genau was daraus würden.

00:03:04: Das ist der Kern und natürlich hatte dieses Thema höheren.

00:03:07: wir kommen da auch gleich noch drauf.

00:03:09: Hört sich gut an!

00:03:10: Aber eigentlich geht es ja um eine bestimmte Art von Gesprächsqualität wie man aufeinander eingeht und wie dadurch ein Gespräch entsteht das eben nicht einen festen Rahmen hat

00:03:21: oder so.

00:03:22: Also das finde ich etwas was halt zu wenig präsent ist in der Welt.

00:03:31: Wo ich mir Leute einlade, von denen ich das Gefühl hab, dass sie wirklich auch gerne in ein Gespräch einsteigen und zuhören und darauf eingehen.

00:03:38: Und deshalb war es für mich klar, dass ich dich gern dabei haben möchte.

00:03:44: Danke schön!

00:03:45: Aber für mich persönlich finde ich manchmal so im Alltagssituationen ... Dass ich in einem Gespräch, was so, sag ich mal, altäglich ... Im alltäglichen Gesprächen, dass sich oft nicht weiß, was ich sagen soll.

00:03:59: oder In so einem Rahmen ist es dann halt klar, wir nehmen uns genau Zeit um einen ernsthaften Gespräch stattfinden zu lassen.

00:04:07: Aber in der Alltagssituation, wo jetzt kein festes Ziel gibt oder dass man so einen Rahmen schafft ... Dass ich oft das Gefühl hab, so habe ich irgendwas Interessantes beizutragen?

00:04:17: Oder ich hab dann so ein Impuls, dass sich den gegenüberstehenden auch irgendwie unterhalten zu müssen und dann ... verfalle ich in so eine Starre manchmal, so innerlich.

00:04:29: Und dann sagst du ...

00:04:32: Ich hab grad irgendwie nichts zu erzählen, aber das Gespräch stockt und ich sag, oh, leg das an mir!

00:04:38: Dann werd ich ganz nervös.

00:04:41: Ja, das stimmt.

00:04:43: Du bist kein deutscher Muttersprachler?

00:04:45: Das bin ich nicht.

00:04:46: Du wirst in Korea aufgewachsen und bist mit vierzehn nach Deutschland gekommen.

00:04:51: Mhm.

00:04:52: Als wir uns kennengelernt haben, gestaunt wie ... versiert und bewusst du mit deutscher Sprache umgehst,

00:05:00: wie

00:05:00: genau du deine Worte wählst.

00:05:02: Was für ein tiefes Interesse du daran hast auch rauszufinden woher bestimmte Redewendungen kommen und so was.

00:05:07: da haben wir uns auch häufiger drunter unterhalten?

00:05:09: Ja

00:05:09: das hat mich immer schon interessiert weil in der Sprache finde ich merkt man wie ein Volk tickt oder was Priorität dann für diese Gruppe von Menschen ist worauf sie den Schwerpunkt legen was Sie sehen Bei einer Sache, was man dann halt dann feststellt.

00:05:30: Was ist wichtig und welche Eigenschaften nimmt man wahr?

00:05:34: Und das fand ich immer schon sehr interessant.

00:05:36: Du hast ja in Deutschland studiert und teilweise gearbeitet bis nach Österreich gekommen.

00:05:40: Bis jetzt seit ... Fünf Jahre in Wien?

00:05:44: Ja, genau.

00:05:45: Wir hätten ja mit Miss Saigon im Jahr zwei Tausend neunzehnt schon beginnen sollen und dann wissen wir was ...

00:05:51: Das war ja so ein Corona-Hut!

00:05:52: Also das heißt im Grunde seit sieben Jahren bist du schon im Kontakt?

00:05:56: Quasi mit Wien, ja, im Kontakt mit Wieden.

00:05:58: Und

00:05:59: bis damals aber noch nicht hergezogen.

00:06:01: oder wie war das?

00:06:02: Ja es hieß immer, wir müssten in Wied wohnen damit wir auch die Kompensation bekommen dieser Coronahilfe Und ... aber bis dieser Vertrag dann tatsächlich zu Stande gekommen ist, ist auch mehrere Monate vergangen.

00:06:20: Das heißt, im Jahr two-tenneunzehn hab ich in Deutschland gewohnt und irgendwann, ich glaube, zwanzig bin ich nach Wien gezogen?

00:06:29: Also

00:06:29: du hast ja quasi zwei Kulturübergänge erlebt!

00:06:34: Ich habe jetzt angefangen mit von Deutschland nach Österreich oder von Deutschland Nach Wien, was ja noch wieder speziell ist Ich kenn's halt aus der Übersetzerarbeit, dass Sprache in Deutschland und Österreich doch viel unterschiedlicher ist als man denkt.

00:06:48: Ja

00:06:48: sehr!

00:06:49: Wie hat sich das für dich gezeigt?

00:06:51: oder woran hast du das gemerkt?

00:06:53: ich fand es zum ersten sehr unfair weil ich dachte nämlich ich habe schon sehr viele Jahre gebraucht bis ich dann mit meinem deutschen.

00:07:06: dann weil ich so einigermaßen mächtig geworden bin und dass es mich auch gut ausdrücken kann, dass ich dann größtenteils sehr gut verstehen kann.

00:07:14: Und dann kam ich nach Wien ... Als Leute wienerisch mit mir geredet haben, dachte ich so Gott, jetzt verstehe ich doch so wenig!

00:07:23: Es ist gemein, ne?

00:07:24: Vor allem in Leasing gab's eine Nachbarin.

00:07:26: Sie war sehr gesprächfroh.

00:07:29: Sie hatte immer mit mir gesprochen im Gang oder auf der Straße als wir uns getroffen haben.

00:07:35: Da musste ich schon sehr ganz genau zuhören.

00:07:40: Hörn, genau!

00:07:41: Und auch dennoch hab' ich halt nicht so ganz viel verstanden gehabt in den ersten Jahren oder Monaten.

00:07:49: Aber jetzt mittlerweile ist es auch besser geworden und mit Wienerisch kann ich mich auch sehr gut anfreunden können.

00:07:55: aber mein jetziger Freund kommt aus Steiermark.

00:07:58: Okay... ...und das habe ich dann auch lernen dürfen dass es doch

00:08:04: wie es eigentlich unterschiedlich ist.

00:08:07: Und vor allem, wenn ich dann bei ihm bin, bei seiner Familie in Murau, auch ein kleiner Dorf ... Da

00:08:13: kommt das Murauer Bier?

00:08:15: Das

00:08:15: stimmt ja!

00:08:16: Ähm... und dann fühl ich dich wirklich sehr, sehr wenig.

00:08:20: Und das finde ich eben unfair.

00:08:21: Dann dachte ich so Ja, ich kann jetzt schon Deutsch, aber doch nicht so, wie ich erhofft hatte.

00:08:28: Und hast du ... Hast du das Gefühl, in Österreich als Deutscher behandelt zu werden wegen deines deutschen Aktenz?

00:08:36: Oder wirst du vor allem als Koreaner oder als irgendwie Asiate wahrgenommen.

00:08:40: Oder ist es eine Mischung?

00:08:41: und kannst du das ordnen?

00:08:43: Ich glaube, dass ist eine ganz komische Mischungen auf jeden Fall.

00:08:47: Und ich sage das so gerne und das finden auch... viel erlustig.

00:08:51: Es gibt ja dieser Ausdruck Pip-Kinese,

00:08:54: kennst du das?

00:08:55: Ah okay, Piefke ist halt ein Deutscher und es gibt dann quasi um das noch lustiger zu machen, nennen manche Österreicher die deutschen Pifkinesen.

00:09:07: Dann habe ich meinen Kollegen gesagt Ich bin der Inbegriff von Pifkinese.

00:09:13: Okay, das hast du, nimmst diese eigentliche Diskriminierung, die da drin steckt Wandelst du hier in Humor?

00:09:19: Ja, aber ich glaube das habe schon die ganze Zeit gemacht auch als ich nach Deutschland gekommen bin und sehr wenig verstanden hatte.

00:09:27: Und damals ... Das war ja halt dann im Jahr zwei Tausend vier, genau.

00:09:34: Da war ja auch diese Political Correctness nicht so ganz präsent.

00:09:39: Und das war quasi mein Coping Mechanism sozusagen dass sich mit dieser heutigen Aussicht Rassistische oder halt dann diese Diskriminierungen auch auf den leichten Schulter genommen haben, weil was hätte ich auch anders machen sollen.

00:09:55: Ich kann ja auch mit meinem Nichtwochenden in Deutschland eine Kampagne starten und sagen was vor allem wusste ich damals jetzt nicht dass es ... nicht korrekt ist, aus heutigem Sicht.

00:10:09: Und dann dachte ich so ja, ich geh mit Flow und schau mal wie ich mich dem Ort und Gegebenheiten anpasse.

00:10:16: Dann hab' ich das oft ins Lustige gezogen und bin damit dann versucht dass es kein Konflikt

00:10:24: entsteht.".

00:10:24: Ja... Ich find's gar nicht so einfach!

00:10:27: Ich habe das zu Anfang gemerkt als das erste Mal in Wien geliebt hab, neunundneinzig.

00:10:34: Ich war echt beleidigt oft und ich fühlte mich in meinem Stolz verletzt.

00:10:37: Und hatte das Gefühl, zu Unrecht in der Schieblade gesperrt zu werden.

00:10:43: Ich hab dann irgendwann gesehen dass das eine Mischung ist, dass da eben auch ein gewisses Minderwertigkeitsgefühl der Österreicher gegenüber dem großen Bruder Deutschland drin steckt... auch ein Gefühl von Ungerechtigkeit, was den Einfluss in Europa angeht und so weiter mit drin steckt.

00:11:01: Und natürlich war Österreich Zeit oder war Wien lange Zeit eben der Kern eines großen Reiches.

00:11:09: Und das ist genau wie wenn du nach Frankreich kommst oder nach England, es sind bisschen ... Auch der Schmerz des Verlusts dieses riesigen Einfluses da auch noch mit drin und so.

00:11:17: Das ist eine Mischung von ganz vielen verschiedenen Sachen.

00:11:20: Was hast du dann?

00:11:22: erfahren, also in welcher Art von Diskriminierung.

00:11:26: Ja

00:11:26: ganz ... Das Typischste ist eigentlich... Ich war im Billa bei mir um die Ecke wo ich gewohnt hab und werd an der Kasse gefragt ob es halt Assakalaa sein soll.

00:11:38: Und ich so, was?

00:11:39: Entschuldigung, was wollen Sie genau für mich?

00:11:40: Ich versteh sie nicht!

00:11:41: Dann hat sie's noch mal gesagt lauter und dann hat sie das nochmal gesagt noch lauter.

00:11:44: Und entschuldige, es ist nicht so dass ich nicht zu gut hören kann.

00:11:47: Ich verstehe nicht, was Sie sagen.

00:11:49: Eine Dütte!

00:11:52: Und wo du ganz genau weißt, die Leute wissen genau welche Schwierigkeit du hast.

00:11:57: Sie könnten es anders ausdrücken und sie wollen dich aber so ein bisschen vorführen.

00:12:01: So jetzt bist du hier in Wien?

00:12:02: Jetzt musst du dich damit auseinandersetzen.

00:12:04: Ja gut das muss man dann irgendwie mit der Zeit lernen.

00:12:09: Ich habe letztes Woche auch mal ein Erlebnis gehabt.

00:12:15: ich wollte einen chinesischen Restaurant was bestellen?

00:12:20: Hähnchen mitgebraten, Nudeln.

00:12:24: Ente?

00:12:25: Nein, Hähhnchen!

00:12:27: Ente.

00:12:28: Nein, ein Hähnchen bitte!

00:12:29: Also Huhn?

00:12:30: Warum sagen Sie nicht gleich

00:12:31: Huhn?".

00:12:32: Und dann dachte ich so was will sie von mir?

00:12:35: Hähhnchen versteht doch alle.

00:12:37: aber dann hat mein Freund erklärt sich ach Hähndchen sagt man in Österreich nicht.

00:12:41: Man sagt Huhn.

00:12:42: Ja vielklich und ich sage immer Hähnnchen mit Nudel.

00:12:46: Aber scheinbar sagt man das in Österreich Nicht und ich lerne irgendwie täglich auch Dann Sachen was man in Deutschland Sagen Was man in österreich Sagt dass ist dann schon mehr als man denkt, dass es Unterschiede gibt.

00:12:58: Ja

00:12:59: und das diese Unterschied eben auch irgendwie wichtig ist

00:13:04: ...

00:13:05: Das ist ein Zeichen von Respektes sich dieser Worte, von denen man's weiß zu bedienen, dass ich inzwischen wenn ich mir irgendwie eine Semmel fertig machen lasst beim kleinen Bäcker

00:13:18: und

00:13:18: sage, ich hätt gern Gurkall drauf, dass die dann sagen oh ja du bemüßt dich, das ist jetzt nicht so.

00:13:23: Dass es eigentlich nur darum geht die Eigenheit der anderen Person anzuerkennen und mit einzubeziehen in das selbstverständliche Verhalten.

00:13:32: Ich hab bei jedem Auto, was mich geschnitten hat gedacht, der weiß, dass ich Deutscher bin!

00:13:35: Der behandelt mich deshalb so scheiße ... Also wirklich, es war mein Stolz und meinen ... Ja, was dann sich da alles mitspielt?

00:13:43: irgendwie.

00:13:45: Okay, einen Schritt zurück.

00:13:48: Wenn du vierzehn warst als ihr nach Deutschland gezogen seid?

00:13:52: Mit der ganzen Familie damals

00:13:53: oder?

00:13:54: Also, das heißt deine Eltern und ich weiß gar nicht.

00:13:57: Hast du Geschwister?

00:13:57: Ja genau!

00:13:58: Ich habe eine jüngere Schwester.

00:14:00: Genau sie ist auch noch in Deutschland aber meine Eltern sind mittlerweile wieder in Korea Südkorea.

00:14:07: Wir haben auch viele aus Süd oder Nord.

00:14:11: Aber dann sage ich immer... Ich kenne keinen einzigen Nordkoreaner im Ausland.

00:14:17: Ich bezweifle auch dass Du jemanden kennst.

00:14:21: Ich glaube, es ist auch sehr schwierig, daraus zu kommen.

00:14:27: Und du hast aber nicht in Soul gewohnt?

00:14:30: Doch!

00:14:31: Genau, ich bin so waschechter Solar.

00:14:37: Es sind viele Fragen die mir jetzt einfallen.

00:14:40: Zum einen, wie weit erinnerst du dich daran ... Warst du das erste Mal in Deutschland als die Norddeutscherin gezogen?

00:14:47: Seid oder gab es schon eine Idee von dem, was auf dich zukommt.

00:14:51: Ähm ... Idee so an sich nicht!

00:14:54: Ich weiß nur dass ich mich dann sehr gefreut hatte damals als wir nach Deutschland ziehen weil eine größere Prüfung in der Schule bevorstand und dann dachte ich so Ich muss dafür nicht lernen.

00:15:09: Ihr

00:15:09: Loser, jetzt müsst ihr da alles noch mal durch.

00:15:11: Aber ich ... I'm gone!

00:15:14: Einmal auf!

00:15:16: Und zumal das diese koreanische Schulsystem auch dann sehr belastend sein kann...

00:15:21: Das ist ziemlich streng, glaube ich.

00:15:22: Ich

00:15:22: weiß nicht ob du irgendwie für dich auskennst aber der ist sehr kompetitiv und er ist sehr auf Leistung gelegt.

00:15:33: des Systemes.

00:15:34: Das ist jetzt auch nicht eins bis sechs diese Nummerierung, sondern null bis hundert.

00:15:39: Also ein Prozentualsystem und nach jeder Prüfung bekommst du einen Zettel in welchen Rangen du stehst.

00:15:48: In der Klasse?

00:15:50: Genau, in der Kasse, in den ganzen Schulen.

00:15:53: Auch wenn das größere Prüfungen ist dann auch landesweit.

00:15:58: Und dann weißt du genau wo du bist!

00:16:03: Und das ist auch dann sehr anders als dieses europäische System.

00:16:07: Ich habe meine Zeit lang in Hamburg an einer Schule unterrichtet, die hieß Norddeutsche Sängerakademie.

00:16:13: Ja weil ich als Interpretationslehrer und hab irgendwie nicht wahnsinnig lange aber ein paar Workshops mitgemacht und so.

00:16:19: Da war unter anderem einmal eine Woche lang eine Partner-Schule aus Korea im Austausch

00:16:25: da

00:16:27: eingeleitet wurde dieser Austausche oder diese Zusammenarbeit von einem koreanischen Gesangslehrer, der quasi mit seiner Klasse nach Deutschland gekommen ist und da eine Woche lang quasi europäischen Unterricht genommen hat.

00:16:41: Das war Tanz, Schauspiel und Gesang.

00:16:43: Und ich hab halt den Gesangsteil übernommen also die Liedinterpretationen.

00:16:48: Da waren halt Schüler dabei, Schülerinnen, die mit Songs gekämpft haben, die eindeutig noch zu schwer waren für sie Also eine Sechzehnjährige, die Eponien singen sollte aber in ihrem Bild noch gar nicht sicher war.

00:17:05: Und wo ich dann versucht hab den Druck von dir zu nehmen und zu sagen zur Not singst du einfach ne Terz Diva, nimmst einen anderen Ton.

00:17:13: Ich möchte aber das so ins Schauspiel einsteigen kannst.

00:17:16: Das geht nicht wenn du von Anfang an nur Angst vor diesem hohen Ton hast.

00:17:21: Probier mal die Geschichte von diesem Mädchen zu begreifen.

00:17:23: Versuch dich da reinzuversetzen und dadurch sozusagen in dieses Gefühl zu kommen, was dich tragen kann.

00:17:29: Und was dich dann vielleicht sogar zu dem hohen Ton trägt, weil nur mit Technik würdest du ihn nicht erreichen?

00:17:34: Die Kunst ist halt die Schauspielenergie zunutzen und die Technik darunterzulegen.

00:17:41: Dann ist beides da und dann geht der Ton auf und dann ist es berührend.

00:17:44: Ansonsten ist eben einfach nur ein technisch sauber gesungener Ton.

00:17:47: Ja, im idealen Fall ja auf jeden Fall!

00:17:50: Ich habe gemerkt dass er das geholfen hat Und am nächsten Tag hat sich total zurückgesteuert, weil ganz offensichtlich ihr Gesangslehrer zwischendurch gesagt hat du musst diesen Ton singen und wenn der nicht kommt.

00:18:00: Also ich hab gemerkt dass unheimlich viel Druck dahinter war vor allem, dass es ein ganz anderes pädagogisches System ist.

00:18:10: Auf jeden

00:18:10: Fall.

00:18:10: Was ich nicht verstanden hab und wo ich auch nicht wusste wie ich damit umgehen soll.

00:18:14: Ich habe versucht das nicht zu bewerten oder zu sagen, warum seid ihr dann hier für eine Woche wenn ich das lernen wollte?

00:18:21: Wir arbeiten sondern versucht es loszulassen und zu gucken.

00:18:25: natürlich gibt ihr das auch Sicherheit zu wissen in welchem System sie lernt.

00:18:28: Und jetzt was ganz anderes plötzlich zulassen zu sollen ist ja auch verwirrend.

00:18:33: Aber ich bin mir sicher Sie hat auch Dadurch sehr, sehr viel gelernt.

00:18:38: Weil so wie ich auch dann gelernt habe in der Schule das auch ganz anders läuft und dass es diese verschiedenen Aspekte generell in der Schule oder im Leben zu sammeln ist wertvoll.

00:18:49: Und dann wächst du als Person ... In der Schule.

00:18:54: damals, als ich frisch nach Deutschland gekommen bin, hab ich einiges lernen müssen, dass es unterschiedlich war.

00:19:02: Aber ist da nicht die ganze Zeit so'n ... Wie diese strenge Stimme im Hintergrund, die sagt ... Wenn du das zulässt, dass du es anders siehst.

00:19:10: Dann bist du ein Loser?

00:19:12: Ich glaube, das ist immer in meinem Hinterkopf.

00:19:15: Okay.

00:19:15: Ja.

00:19:16: Dass ich dann immer was leisten muss und dass es halt ... wenn ich nichts leiste, bin ich nicht wert!

00:19:23: Und ich glaub, das wird mein Leben lang mich bisschen begleiten.

00:19:27: Ich meine, es ist ein menschliches ... ein menschlicher Charakterkonflikt, den man auch kennt, wenn man nicht irgendwo in Asien groß geworden ist.

00:19:37: Aber es ist natürlich was, was wirklich dich vierzehn Jahre lang geprägt hat.

00:19:40: Auf

00:19:40: jeden Fall ja...

00:19:42: Eine andere Schule, wo ich Unterrichtes habe war ein sehr begabter koreanischer Schüler von dem ich wusste dass der nur seine Ausbildung in Deutschland macht und dann in Korea seine Karriere fortsetzen zu können.

00:19:53: also er wollte nicht wirklich in Deutschland im europäischen Raum arbeiten aber der hat gezähmern hier gesungen Und das war total klar, dass er alle Töne hat.

00:20:02: Dass er alles singen kann und die Technik hat den ganzen Song zu tragen.

00:20:06: Für mich war aber die Herausforderung was kann ich ihm geben?

00:20:10: Ich hab versucht ihm ... Den schauspielerischen Einstieg, den emotionalen psychologischen Einstick in diesen Song zu geben.

00:20:19: Ich werde nicht der einzige gewesen sein, der versucht hat ihm diesen Zugang zu verschaffen oder zu ermöglichen.

00:20:27: Aber ich habe eben gemerkt, Oder anders.

00:20:30: Bei dir sehe ich es halt total anders.

00:20:33: Ich seh, dass du bei den Songs die ich von dir mitbekommen hab, bei den Rollen die ich gesehen habe bisher ... Dass du wirklich versuchst ... Das ist natürlich scheiße zu sagen, den europäischen Zugang.

00:20:47: Aber das du versuchste über die Emotionen, über die menschliche Beziehung.

00:20:54: Über was es mit dir macht?

00:20:55: ... ranzugehen und eben die Unsicherheiten stückweit zuzulassen, die das dann auch in die Technik bringt.

00:21:03: Ja, ja.

00:21:04: Und aber wo

00:21:06: gründlich

00:21:06: daran Arbeit ist, dass es nachher trotzdem technisch total sauber ist, aber die Emotionen einschließt?

00:21:13: Vor allem im Musical finde ich, weil anders als Opa, also im Musical wirklich so ein Gesamtkunstwerk da muss sehr... Wenn da Schauspiel fehlt und wenn da Tanz fehlt, wo ich jetzt nicht so ganz mächtig bin.

00:21:27: Aber jetzt durfte ich in USA Story ein bisschen tanzen.

00:21:31: Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

00:21:32: aber dann merke ich auch okay um wie einen vollwertigen Musical-Darsteller stark zu sein.

00:21:39: Dann müsste ich da auch mal ein bisschen nachlegen.

00:21:41: Aber natürlich ist auch Gesang sehr wichtig.

00:21:46: In der Oper ist es ja Gesang A und O. Du musst ja wirklich dann technisch das wirklich dann sauber hinbekommen, dass du halt dann das Publikum mit deiner Stimme wirklich überzeugen kannst.

00:21:59: Aber vor allem in Musical ist ja diese drei Elemente da darf ja quasi eins auch nicht fehlen und dieses diese Emotion auch über Schauspiel so überzubringen, dass es dann das das Publikum mir glaubt, dass ich jetzt einen gesungenen Satz dann wirklich auch so sagen möchte.

00:22:22: Das ist mir halt sehr wichtig, dass man das ... ja, dann so wahrnimmt, nicht plötzlich anfängt zu singen, weil es so geschrieben ist.

00:22:31: Sondern dass ich das im Inneren fühle und jetzt auch singen möchte.

00:22:35: Und das ist mir ein Anliegen, dass ich möglich das bringen möchte auf die Bühne.

00:22:42: Wir hatten ein Regisseur bei Mama Mia, der hat immer gesagt Die Leute fangen auf dieser Insel dann zu singen an, wenn sie mit Sprache nicht weiterkommen.

00:22:52: Also der Einstieg in ein Musical-Song ist sozusagen dieses... Um das rüberzubringen, wo es mir jetzt gar geht, brauche ich dieses zürztliche Elemente der Musik und da ist ein innerer Druck.

00:23:02: Wenn der nicht da ist, wenn der am Anfang von dem Song nicht aufgebaut wird diese schauspielerische Notwendigkeit diesen Song zu singt Dann bleibt es technisch und dann ist das langweilig.

00:23:12: Vor allem bei Rebecca, also in meinem Lied Ehrlichkeit und Vertrauen da habe ich auch lange daran gearbeitet dass sich dann halt wirklich nicht einfach anfangen zu singen sondern aus dieser Not heraus.

00:23:25: Ich möchte dieses ich dann so überzeugen die Rolle genau Dass ich wirklich halt einen Anliegen habe ihr mitzuteilen

00:23:34: dass du ihre Not siehst und ihr helfen willst.

00:23:37: Genau,

00:23:37: richtig.

00:23:38: Und das ist halt dann bei ihr ... Dass ich hoffe, dass es bei ihr ankommt, was ich gerade fühle?

00:23:43: Ja, das ist sehr rübergekommen.

00:23:46: Noch mal zurück zu diesem ... Ich will sehen wie Deutschland durch deine Augen ausgesehen hat als Vierzehnjähriger.

00:23:52: Für mich ist es noch ein bisschen verschwommen irgendwie.

00:23:55: Ich glaube, ich habe mich mein Leben lang immer zu meinen Umgebungen angepasst.

00:24:00: Und ich wollte ja immer gemocht werden, glaub ich.

00:24:03: Und dann hab ich schnell die Sachen richtig machen wollen.

00:24:09: Mhm.

00:24:10: Ich habe halt die gegebenen Umständen eher weniger bekämpft, sondern mich hinzugefügt

00:24:18: und ... Aber was heißt das für dich in Deutschland, Sachen richtig zu machen?

00:24:24: Welche Punkte hast du erkannt, die wichtig sind Sie ... nachzuvollziehen oder mitzumachen, damit die Deutschen merken, dass du dich bemüßt.

00:24:33: Ja, zumal ... Ich hab ja vorhin erwähnt das von heutigen Sicht rassistischen Kommentare.

00:24:40: Das habe ich mir dann auf den gleichen Schulter genommen, dass ich das auch mal mitmache und über mich selber quasi in diese Richtung lustig mache.

00:24:48: Äh, das wäre ein Aspekt.

00:24:51: Und was man halt im Freizeit macht?

00:24:54: Oder ähm... Dass man weil es am Trinken geht, auch was von meinem Elternhaus eigentlich dann eher verboten war.

00:25:04: Ihr Verboten ist gut, ja?

00:25:06: Genau!

00:25:07: Aber meine Eltern waren auch untypisch koreanisch in diesem Hinsicht und vielleicht haben die dann auch eingesehen, okay wir sind jetzt in Europa, dann passen wir auch den europäischen Gesetzen sozusagen an dass wir unsere Kinder auch gewissermaßen ein bisschen freistellen müssen.

00:25:27: Ich glaube, ich habe dir mal erwähnt, dass mein Vater evangelischer Pastor war.

00:25:33: Ja, ich glaub du hast es mal gesagt?

00:25:34: Ich hab's aber wieder vergessen!

00:25:37: Genau das ist der Grund warum wir damals nach Deutschland gekommen sind.

00:25:40: Das heißt er hat eine Stelle angeboten bekommen?

00:25:42: Genau richtig.

00:25:43: Wo seid ihr hingezogen?

00:25:45: Nach Dienstlaken.

00:25:45: Gönn Dienstlagen

00:25:46: oder so... Ja, Dienstlakin.

00:25:48: Jetzt war ihm seine kleine Stadt, aber kennen doch geschlau nicht viele.

00:25:52: Noch nicht Urgebiete,

00:25:52: aber schon kurz vor,

00:25:53: ne?!

00:25:54: Ja, ich glaube man könnte es schon zur Ruhrgebiet zählen.

00:25:58: Ich rede uns.

00:25:58: wahrscheinlich muss ich's rausschneiden damit ich mich nicht losstelle.

00:26:03: Und dort gibt's immer noch eine koreanische Gemeinde, ein Winkstergemeinde und mein Vater wurde dann dort hingeschickt damit diese Gemeinde einen koreanischen Pastor hat genau und unsere ganze Familie sind dann halt mitgegangen.

00:26:22: Also Vater, Mutter, Sohn und Tochter ... Und ja, dann waren wir plötzlich in Dienstlagen.

00:26:27: Das war auf jeden Fall ein Kulturschock für mich.

00:26:30: Mhm.

00:26:31: Weil nach Saúl war Dienstlagen wirklich ein Kaffdorf.

00:26:37: Ein Dorf!

00:26:38: Es geht Richtung Niederrhein,

00:26:40: oder?

00:26:40: Genau.

00:26:41: Okay, dann weiß ich

00:26:42: ja.

00:26:42: Genau.

00:26:43: Und das war ein ... Ja, umschwung auf jeden fall.

00:26:48: und plötzlich von so'n mega ... tausenden Millionen Megastatt nach zu diesem kleinen Dorf zu ziehen.

00:26:56: Da muss ich mich auch dann schon anpassen, dass man jetzt nicht nach zwölf Uhr einfach mal was zu essen bestellen kann damals noch oder das man dann schon ein Stück weit gehen muss bis man einen Supermarkt gefunden hat.

00:27:12: Und wenn nachts umliegend dann halt ... sehr viel Ruhe eingekehrt ist, war mir auch dann sehr ungewohnt.

00:27:21: Dass ich mein Seoul das wirklich eine Mutter an den Großstaaten

00:27:24: habe?

00:27:24: Auf jeden Fall.

00:27:24: Wie viele Millionen Einwohner habt ihr?

00:27:26: Das weiß

00:27:26: ich nicht aber sehr viel!

00:27:27: Ich glaube ein Drittel der Bevölkerung Südkoreas wohnt in Seoul.

00:27:33: Da hat man sehr wenig von Privatsphäre oder wir haben auch in einem Apartment gewohnt.

00:27:39: was in Seoul auch gang und gäbe ist dass man in ganz großen Gebäude wohnt mit ganz vielen unterschiedlichen Parteien.

00:27:47: Und in Deutschland hatten wir halt dann dieses Pastorenhaus, was wirklich ein ganzes Haus

00:27:53: war.

00:27:54: Ich krieg mein eigenes Zimmer dort!

00:27:58: Das war schon schön.

00:28:00: aber dann dachte ich auch so wow jetzt hab' ich das ganze Zimmer für mich und dann habe so viel Platz.

00:28:05: und was mache ich damit?

00:28:08: Dann habe ich auch gelernt wie man den Zimmer dekoriert oder nach meinem Geschmack zu gestalten gewissermaßen neu.

00:28:16: Jetzt

00:28:16: hast du gesagt, zwei Sachen waren für dich ... eine Voraussetzung, um dich in Deutschland zu adaptieren?

00:28:23: Das eine war, dass du rassistische Witze über dich selber machst und das andere war, damit du mit Leuten trinken gehst.

00:28:30: Gab's irgendwas anderes was für dich Deutsch spezifisch war?

00:28:34: Damals, ich find es auch so ein lustiger Fun Fact!

00:28:38: In Korea hatten wir ja auch einen Schuluniform gehabt.

00:28:41: Und ... Dann hab ich erfahren, in Deutschland gibt's keinen Schuluniform.

00:28:46: Es sei denn du bist ein Internat oder was?

00:28:50: Und dann habe ich festgestellt alle tragen Jeans und das war ja um die Zeit, dass wirklich jeder überall Jeans getragen hat.

00:28:59: Da dachte ich so ist das jetzt Uniform?

00:29:02: Muss ich auch Jeans kaufen?

00:29:03: Ich glaub' ich hab da noch einige Paare Jeans gekauft.

00:29:06: aber da dachte ich kurz wow!

00:29:08: Wirklich...ich geh in den Schulhof und sehe nur Jeans.

00:29:13: Und was mir auch dann komplett neu war, ist dass man zu großen Pausen unbedingt nach draußen gehen muss.

00:29:19: Das hatten wir in Korea auch nicht und auch im tiefsten Winter mussten wir dann halt zwanzig Minuten rausgehen.

00:29:26: Das hab ich ... nicht gemacht!

00:29:28: Die Tradition der Leib ist Ertüchtigung, Tonvater Jan.

00:29:31: Genau, ja.

00:29:32: Und hier Körperstärken auch in kältesten Kälte.

00:29:37: Ja das war mir auch ganz komplett neu.

00:29:40: Guck mal, das ist echt spannend.

00:29:43: was man als selbstverständlich wahrnimmt, wenn man da groß geworden ist.

00:29:47: Vor allem in Koreanischen Schulen hat man diese Multiple-Choice-Prüfungen, dass du dann von eines bis fünf auswählst als richtig antwortest.

00:29:56: Also gar keine selbstgeschriebene Texte?

00:29:59: Nee ... also sehr wenig!

00:30:01: Es gibt einzelne Aufgaben so vier Stück oder so, wo man dazu einen kleinen Text schreiben muss aber auch nicht wirklich viel.

00:30:10: Du musst das nur ein bisschen widerlegen höchstens vielleicht dann vier, fünf Sätze.

00:30:16: Aber dieses Klausurschreiben war mir halt gar nicht gewohnt und vor allem mit meinem Damal im Deutsch war das auch eine sehr große Herausforderung.

00:30:28: und dass ich meine Gedanken dann so formulieren muss...

00:30:31: Was denkst du zu dem Thema?

00:30:34: Was soll ich denken?

00:30:36: Weil sie nicht viermal drei ist halt zwölf, was soll ich das irgendwie begründen?

00:30:41: oder Integralrechnung.

00:30:44: Und das war mir auf jeden Fall ein neuer Aspekt die ich dann halt auch mühsam erlernen musste.

00:30:51: und da dachte ich auch vielleicht ist man deshalb dann so schlagfertig in Gesprächen weil In Korea ist ja auch diese Hierarchie dann sehr ausgeprägt, dass man die älteren Ehrt und seine Eltern ehrt.

00:31:08: Auch der Lehrer ... Dass so eine Diskussion manchmal dann auch keine Stadt findet weil man sagt okay du hast jetzt nicht zu sagen, weil du bist jünger oder du bist im Schulgrad niedriger.

00:31:21: So.

00:31:22: Dass man halt auch mit logischen Basis mit Gegenübereltern oder Vorgesetzten auch eine gesunde Diskussion führen kann.

00:31:31: Dass man seine Meinung schriftlich schon von Schulzeiten her bilden und eigene Meinungen machen kann, das war mir nicht so ganz familiär.

00:31:42: Und nicht eine Aufgabe die vorgegeben ist zu wählen sondern ich muss dann wirklich meine eigene Meinung dazu bilden.

00:31:52: Das war auf jeden Fall ein Umschwung.

00:31:58: Wenn man guckt, worauf zielten bestimmtes Bildungssystem ... Also die Kritiker des aktuellen Bildungsystems in Deutschland auf jeden Fall sagen halt, dass es eigentlich immer noch ausgerichtet ist, darauf Soldaten und Krankenschwestern zu erziehen.

00:32:17: Das war lange Zeit das, worum es ging?

00:32:20: Die Schulbildung wurde quasi der Kriegs- Psychologie unterworfen.

00:32:27: Das heißt, man muss geräuchten können und Dinge übernehmen ohne zu hinterfragen.

00:32:34: für Frauen ganz viel Haushalt oder Grundlagen für Pflegeberufe.

00:32:41: Gar nicht unbedingt die Inhalte dessen was man lernt aber die Form wie gelernt wird.

00:32:46: Es wird heute noch kritisiert von vielen Leuten, die reformpädagogik irgendwie vertreten Weil Sie sagen, ganz vieles von dem zielt immer noch nicht darauf ab.

00:32:57: Dass Menschen selbstständig denken, dass sie lernen wirklich zu lernen und selber ihre Lernenhalte bestimmen.

00:33:03: Dass früh unterschieden wird in was interessiert dieses Kind tatsächlich.

00:33:08: Welche Dinge muss man lernen?

00:33:09: Und welche Dinge sind eigenmotiviert?

00:33:12: Da hat sich schon viel getan auch durch den Prozess der Endnazifizierung in den fünftiger, sechste Jahrjahren wo eben ganz bewusst das Lernsystem, umgestellt wurde, weg von diesen nationalistischen Denken zu einem demokratischen Denkenden.

00:33:30: Da wurde ja in der Struktur auch ganz viel verändert aber in der Tiefe ist immer noch ganz viel dass diese Kritik immer noch greift.

00:33:36: Okay na das habe ich dann aber mit meiner Erfahrung auch anders festgestellt dass es entweder soviel Freiraum gab zumal auch dieses System Hauptschule Gesamtschule Realschule Gymnasium schon früh anmerken kann, was macht mir Spaß?

00:33:54: Macht mir eher Handwerkspaß oder möchte ich dann akademischen Berufen nachgehen.

00:34:01: Dass man auch wirklich dann bewusst entscheiden kann zu welcher Schule ich gehe und das kannte ich aus Korea auch dann anders weil es sein festes System gab gibt dass du verfolgen hast.

00:34:16: Ja okay das ist echt spannend für mich das aus deiner Sicht zu hören.

00:34:20: Weil für mich war es immer so, eigentlich hat jedes älteren Paar das Gefühl, mein Kind muss Abitur machen und studieren.

00:34:28: Und wenn die Noten nicht gut genug sind, na ja dann halt Realschule.

00:34:31: So Gesamtschule dieser ganze ganzen Gesamtschulprozess hat eher dazu geführt dass man gesagt hat okay ja da wären Studium drin aber es braucht auf jeden Fall auch mehr von diesem handwerklichen Zugang oder dieses...

00:34:46: Praktische.

00:34:47: Nicht so akademisch leistungsorientierte Lernen, sondern eben mehr von dem sozialen Umgang oder sowas.

00:34:54: Da hat sich schon auch was verändert seit ich ... auf der Schule war.

00:34:59: Ja,

00:35:00: aber ich glaube das geht bei mir genauso.

00:35:02: Ich kann jetzt nicht ganz genau sagen wie koreanische Schulsystem jetzt ausschauen.

00:35:06: Das kann auch sein dass man jetzt viel mehr eigene Meinung dann halt bilden muss.

00:35:11: Aber zumindest als ich noch damals in die Schule war War es halt so, dass jeder quasi so produziert wurde sozusagen In einem festgefahren System.

00:35:22: Und

00:35:22: was steckte da dahinter?

00:35:23: Was ist das Ziel der koreanischen Bildung?

00:35:25: Ich glaube in der zielkoreanische Bildung so eine maßgefertigte Wirtschaft interessierte Person zu bilden, das halt dann zu großen Beiträgen.

00:35:37: Dass du ein Teil von großem Mechanismus

00:35:40: bist.

00:35:40: Aber ist die Wirtschaft an der westlichen Wirtschaft orientiert?

00:35:44: Sehr!

00:35:45: Auf jeden Fall.

00:35:46: ich glaube Korea hat ja in den letzten Jahrzehnten sehr große Fortschritt Und ich glaube, das liegt auch ... Obama hat mal gesagt, wir müssen aus Korea schauen.

00:36:00: Wie Schulbildung funktioniert damit mehr Wirtschaftswachstum stattfinden kann?

00:36:06: Aber dann haben viele Koreaner dazu gesagt so ja aber

00:36:11: vieles ... Wartest du mal auf einer Korean-Schule

00:36:13: oder wie viele Schülerinnen bringen sich jährlich um?

00:36:16: Wie viele sind dann depressiv?

00:36:18: Wieviele tragen auch Schaden davon?

00:36:21: und vor allem ist auch immer Ganztagsschulen in Korea.

00:36:26: Und nach der Schule gehst du eigentlich dann direkt zur Nachhilfe, also fast jeder.

00:36:33: und wenn du mal ... Es gibt ja amerikanische Systeme in Korea, also elementary school, middle-school high school das heißt bis zu sechste Klasse bist du in elementary school und danach drei Jahre middle school und dann drei Jahre High School und dann als Uni.

00:36:48: Wenn du mal in diese High Schoolzeiten bist kommst du wirklich dann um zehn Uhr nach Hause von diesen Nachhilfen und das ist halt dann wirklich Leistung wird dort gefragt.

00:37:00: Und da ist auch diese Persönlichkeit oder eigene Charakterentwicklung, ist dann schon sehr unterschiedlich Europa- oder Europäer.

00:37:12: Und ist es alles staatlich finanziert?

00:37:14: Das gesamte Bildungssystem?

00:37:15: wenn ihr sagt Nachhilfe und so was... in Deutschland auf jeden Fall quasi ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann.

00:37:21: Genau

00:37:21: also Nachhilfe ist nicht staatlich finanziert es sei denn ich glaube es gibt sicherlich auch eine Förderung für Familie mit niedrigeren Einkommen dass man das auch verfolgen kann.

00:37:33: aber ja das Schulsystem so ausgeprägt ist, dass du noch Nachhilfen nehmen musst um noch viel besser zu werden.

00:37:43: Das ist eigentlich auch ein Thema an sich.

00:37:46: dann ist man auch so eingeprägt, dass man halt in die Arbeit muss und nach der Schule zur Nachhilfe gehen muss.

00:37:52: Dabei musst du noch Sport nicht vernachlässigen.

00:37:55: Und dann musst du auch noch idealerweise Klavier lernen ... und vielleicht auch zu Diskussionskurs gehen oder sonst irgendwas.

00:38:03: Da werden die Jugendliche und Kinder schon sehr gedrecht.

00:38:08: Und da war ich eben dann froh, dieses System zu verlassen.

00:38:14: Eine Nachfrage noch zu Korea, weil das hat ja eine ähnliche Situation wie Deutschland vor der Wende.

00:38:22: Wie weit hast du das Gefühl dass in diesem Leistungsdenken der Unterschied zur Nordkorea betont wird?

00:38:29: Also dieses kapitalistische im Gegensatz zum kommunistischen.

00:38:33: Ich erinnere mich in Deutschland gab es halt wenn du zu alternativ gedacht hast oder Kritik geübt hast an einem konservativen politischen Denken dann geht auch nach drüben

00:38:43: Ja.

00:38:44: Also dass man immer merkt, das Nachbarland hat ein anderes System und von dem grenzen wir uns auch ab in der Art wie wir denken.

00:38:55: Ich glaube da damals hätte wohl keiner gesagt dann geh doch nach Nordkorea.

00:39:01: sicher keiner gesagt glaub ich zumal ja das ist auch eine Diktatur dieses System dort oben.

00:39:11: Aber

00:39:11: es hat auch Familien zerrissen.

00:39:13: Ja, genau.

00:39:14: und als ich noch klein war, erinnere ich mich Es gab so jährliche ... Als noch die Beziehung zwischen Nord- und Südkorea wesentlich besser war als heute Gab's auch jährlich eine Familientreffen.

00:39:26: Da haben wir immer im Fernseher gesehen wie viele Familien sich dann halt irgendwie wieder sich treffen Und sehr viel weinen und sehr viel sich freuen um diese in diesem kurzen Zeitraum sie mal wiederzusehen.

00:39:39: Aber das ist natürlich auch jetzt Geschichte, weil lebendige Familienmitglieder sind gestorben.

00:39:45: Und so ein Wiedertreffen gibt's in diesem Format nicht mehr, glaub ich.

00:39:51: Das hat mich natürlich auch bisschen geprägt aus Kenntniszeiten, das irgendwie zu erleben.

00:39:57: Wir sind ein getrenntes Land und in der Schule wurde uns vorgegeben, dass unser größter Ziel wieder Vereinigung ist.

00:40:05: Ich glaube heutzutage denkt man jetzt auch nicht wirklich dran.

00:40:09: dass wir auch dann Lieder davon singen von Wiedervereinigungen.

00:40:13: Und ich glaube, in vielerlei Aspekte ... Es gibt ja ähnliche Aspechte aus Nord- und Südkorea mit Westen aus Deutschland aber es ist schon recht unterschiedlich.

00:40:24: Schon noch wesentlich

00:40:25: krasser.

00:40:26: Ja genau das diese Austausch was damals in Deutschland noch irgendeiner Art möglich war Mit Formularen oder halt dann mit Genehmigung konnte man ja durchreisen Aber da gibt's ja einen Nord- und Südkorea

00:40:40: gar nicht.

00:40:41: Wir hatten auch mit Berlin als Enklave im ostdeutschen Bereich, musste es ja bestimmt der Regelungen geben.

00:40:48: Genau richtig.

00:40:51: Ich hab total viele Fragen!

00:40:53: Du hast wahrscheinlich noch eine zweite Folge gemacht.

00:40:56: Du hast gesagt dein Vater war Finkstler oder eure Familie ist ... Ihr seid Pfingstler?

00:41:04: Ja also ich bin mittlerweile nicht mehr religiös.

00:41:09: Aber genau, als wir noch damals nach Deutschland gezogen sind waren wir fängstlar.

00:41:13: Du bist

00:41:13: nicht mehr religious oder du zählst dich nicht mal einer Religion zu?

00:41:18: Ist das nicht dasselbe?

00:41:19: oder erklär man mir denn unterschiedlich?

00:41:23: Für mich ist Religiosität was urmenschliches.

00:41:27: Also sich auseinandersetzen damit etwas passiert nach dem Tod.

00:41:31: wofür bin ich auf der Welt?

00:41:32: und das ist der Sinn des Lebens.

00:41:33: wie entsteht Leben?

00:41:35: Wie sollte ich als Mensch leben?

00:41:37: Das sind, glaube ich, Fragen die Menschen sich stellen und schon gestellt haben bevor es Religion gab.

00:41:43: Aber das fällt für mich unter Religiosität.

00:41:47: Und ich erlebe dich als sehr bewussten Menschen der sich Gedanken macht über diese Dinge auch wenn du vielleicht im Moment nicht sagst, diese Religion beantwortet diese Fragen für mich am schlüssigsten.

00:41:59: Das ist für mich der Unterschied.

00:42:01: Ja

00:42:02: dann ja ich bekenne mich jetzt zu einer bestimmten Religion.

00:42:07: Da bin ich sagen, genau.

00:42:10: Ich hab das Gefühl ... Ich bin da so ein bisschen rausgewachsen und ich bin sehr christlich erzogen worden.

00:42:16: Und Fingstlautum war ein großer Teil meines Lebens.

00:42:22: Wir waren auch jeden Sonntag in der Kirche von morgen früh bis Nachmittags schon längerer Zeitraum Und bis mein Vater in Dienstlaken die Gemeinde geleitet hat, hab ich dort auch unser Chor geleitet.

00:42:34: Hat mir sehr viel Spaß gemacht.

00:42:36: Aber das war wirklich ein wesentlicher Teil.

00:42:40: Aber seit meinen Eltern nach zehn Jahren wieder nach Korea zurückgezogen sind ... habe ich noch weitere Jahre das verfolgt.

00:42:49: Aber dann hab ich für mich dann feststellen müssen, dass ich mit bestimmten Werten nicht so klar komme.

00:42:58: eigenen sein und dann habe ich mich allmählich davon getrennt.

00:43:03: Wie finden deine Eltern das?

00:43:05: Ich glaube, sie finden es schade aber wie seit sehr untypisch koreanischen Eltern geben Sie mir auch diesen Raum dass ich mein eigenes Leben lebe und auch meine eigene Wertfindung habe.

00:43:24: Ja, ich glaube am liebsten wäre es, dass ich noch hetero bin und dass sich Religion doch sehr verfolge wie meine Eltern das tun.

00:43:32: Aber... what is it?

00:43:34: Was denkst du, wie weit das einen Einfluss hat?

00:43:37: also dass deine Eltern dir da gewissen Freiraum gönnen?

00:43:40: Ich behaupte, das hat was damit zu tun, dass sie sehen, dass du ein anständiger Mensch bist Und auch ohne diesen Rahmen versuchst weiter ein anstelliges Leben zu führen.

00:43:48: Das hoffe ich ja.

00:43:51: Ja, ich glaube ... Sie haben großen Vertrauen an mir.

00:43:54: Mhm.

00:43:55: Aber auch diese Distanz zwischen Korea und, sag ich mal, jetzt Europa.

00:44:01: Und dass sie nicht einfach mich besuchen kommen können aus verschiedenen Gründen, Zeitfinanziellengründen.

00:44:09: Da gibt's eigentlich dann halt nichts anderes übrig von meiner Meinung nach!

00:44:16: Aber

00:44:16: es gibt ja auch Familien, die sagen okay ich will nichts mit dir zu tun haben.

00:44:21: Ja diese Angst hatte ich dann auch schon mal als ich meine Eltern über Telefon gesagt habe dass ich schwul bin.

00:44:30: Diese Mut muss sich erst mal zusammenfassen weil ich hab das niemals getraut als mein Vater noch in Gemeinde geleitet hat in Deutschland.

00:44:39: Da hab ich ihn nach verschiedenen Sachen Ausschau halten müssen und denken müssen, ja was ist wenn es sich herauspuppt dass der Sohn vom Pastor schwul ist.

00:44:49: Was bedeutet das?

00:44:51: Was bedeutet für die Gemeinde oder für mein Vater?

00:44:53: Schwadet

00:44:54: dem Ruf meines Vaterscheid des Gemeindes.

00:44:56: Ja

00:44:56: kann er noch als Pastor bleiben?

00:44:58: damals dachte ich auch so.

00:45:00: Und was auch Für mich dann hart getroffen hat Damals ist auch Wenn er dann über Sachen predigt, dass er über viele Legende oder Kreutaten auf der Welt Krieg erwähnt und unter anderem dann Hohe Sexualität.

00:45:18: Und dann sitze ich da im ... im Gottesdienst.

00:45:22: Hallo!

00:45:23: Ich bin hier!

00:45:24: Ich sag's dir nicht?

00:45:25: Oder ich kanns dir nicht sagen?

00:45:27: Aber ja, ich halte diese Seite für mich geheim.

00:45:34: Deshalb hab' ich den Mut auch ... nicht gefasst, dass meine Eltern dann halt so persönlich face-to-face zu bekennen.

00:45:42: Aber als ich nach Korea zurückgezogen sind, hatte ich irgendwann mal endlich einen Mut zusammengefasst, ihn mitzuteilen.

00:45:51: Wie war die Reaktion?

00:45:53: Hart!

00:45:54: Zumindest für die ersten zwei Wochen.

00:45:58: Meine Mama hat mir immer Videos geschickt oder gesagt, du kannst es immer zu Gott zurück ... kommen oder er verzeiht dir alle Sünden und hat mir auch dann Videos geschickt von, ja du kannst geheilt werden etc.

00:46:15: Und da dachte ich nämlich so okay, ich habe sie verloren glaube ich hab mich mehr gedacht damals.

00:46:22: Nachhinein habe ich dann auch also nicht direkt aber nachhineinander habe ich erfahren müssen dass mein Papa auch ungefähr zehn Tage lang seine Stimme verlassen hatte.

00:46:34: Ja, ne ganze Woche lang halt kein Wort gesagt.

00:46:37: So sehr hat ihn das geschockt?

00:46:38: Ich glaub schon ja ... Aber nach zwei Wochen kam plötzlich eine Nachricht über Messenger an.

00:46:47: Da sagte meine Mama wir lieben dich wie du bist und wir unterstützen dich.

00:46:53: Und da konnte ich mal durchatmen.

00:46:56: Haben sie sich durchgekämpft!

00:46:58: Genau.

00:46:59: Natürlich hatten Sie Fragen nicht so viele aber Ähm, dich dann halt ...

00:47:07: keine Details.

00:47:09: Und ja mit wem ich mich treffe oder ob ich glücklich bin und äh... Dann hab' ich auf jeden Fall gesagt, aber nachdem sie mich so akzeptiert haben wie ich bin hat mich das um wesentlichen glücklicher gemacht.

00:47:24: Aber ich glaube diese jahrelange Barriere, also Jahrzehnte Barrieren hat auch Sporn hinterlassen, dass ich eine Seite von mir immer vor meinen Eltern verstecken musste.

00:47:36: Hat auch ne Nachwirkung und ... Ich hab jetzt mit meinen Eltern nicht täglich ... zumal auch diese Distanz da ist.

00:47:45: Als sie noch in Deutschland gelebt haben, habe ich sie immer auch wirklich besucht.

00:47:50: Aber das findet ja schon mal nicht statt.

00:47:53: Und ich hab immer dann irgendwie Schwierigkeiten ... meine Eltern dann irgendwie vom ... mich auszukontaktieren, weil immer noch eine gewisse Barriere da ist.

00:48:07: Und wenn ich mal anderen Leuten anschaue, dass sie sehr viel mit Eltern zu tun haben und fast täglich anrufen oder mehrmals im Jahr zu Eltern fahren, egal wo sie wohnen ... Das hab' ich jetzt nicht so.

00:48:22: Da frage ich manchmal, bin ich komisch?

00:48:25: Oder ist es noch eine mentale Arbeit, die ich dann halt irgendwie machen muss damit dass irgendwie anders wird.

00:48:32: Aber andererseits schaue ich dann auch andere Leute, die genauso wenig mit ihren Eltern zu tun haben wie ich – mit Streit oder ohne Streit weil in meiner Situation gab es halt keinen wesentlichen Streit und das ist immer ein bisschen weniger geworden.

00:48:47: Und ich denke mal, dass ich so okay bin, wie ich bin.

00:48:52: Das ist meine familiäre älterliche Situation was diese Kontakt betrifft auch so okay ist, dass es so ist.

00:49:01: Ja und das ist ja auch dynamisch.

00:49:02: Das verändert sich einmal auch für dieses Lebens.

00:49:04: Genau.

00:49:07: Es gibt ein Film von Ang Lee.

00:49:09: ich weiß jetzt gerade nicht mehr genau wie der heißt und ich weiß noch nicht mehr wahnsinnig viel darüber was geht darum glaube ich einen koreanisch-koreanisch stämmigen Mann in New York irgendwas mit Kunst studiert hat und da Homosexuellen gelebt hat in der homosexuelle Verbindung gelebt kommen seine Eltern ihn besuchen.

00:49:32: Und sein Vater ist zu Anfang ganz wertend und hält sich ganz doll auf Abstand, der Film berichtet halt darüber wie diese beiden sich irgendwie wieder im Kern irgendwie wieder zusammenkommen.

00:49:45: Ich weiß aber ... ich kann uns in Reden, aber ich erinnere mich daran, dass dieser Weg mich sehr berührt hat.

00:49:52: Ja?

00:49:53: Wenn ich rausfinde, wie der Film hieß auch ich dir noch mal.

00:49:55: Sehr gerne!

00:49:56: Da klingt so ein bisschen wie ... Meine Geschichte ein bisschen.

00:49:59: Ich glaub, es ist nie zu spät sich auseinanderzusetzen und zu gucken was hab ich da eine Zeitung beiseite geparkt oder ... Was ist lebendig in mir?

00:50:10: Und was habe ich auf Eis gelegt?

00:50:13: Was hast du

00:50:14: mitgenommen?

00:50:15: Auch diesen Aspekt der Dankbarkeit irgendwie wiederzufinden, glaube ich schon auch wichtig aber eben nur wenn man wirklich auch ehrlich isst.

00:50:25: also Im Englischen sagt man irgendwie honor your parents, but be honest as well.

00:50:31: Das kann ja ein Konflikt sein und trotzdem da drin steckt halt ganz viel Möglichkeit zu einer echten Beziehung.

00:50:38: In koreanischen wäre das eher nur honor-parents booked.

00:50:42: Ja logisch.

00:50:45: Auf zwei Sachen würde ich auf jeden Fall auch eingehen.

00:50:46: Das eine ist du hast es schon angedeutet wie bist du zum Musik gekommen?

00:50:50: Das

00:50:51: ging natürlich über die Gemeinde oder?

00:50:52: Genau richtig.

00:50:54: Als ich klein war habe ich bei verschiedenen Kirchenkorch mitgewirkt.

00:50:58: Und zumal meine Eltern sich auch damals in Kirchencorch kennengelernt hatten.

00:51:04: Ja, Musik war immer in der Familie präsent.

00:51:08: Er hat auch sehr viel Klasse gehört und sehr viel gesungen.

00:51:12: In Gemeinde war natürlich halt voller Musik.

00:51:15: Das war meine erste Berührung zur Musik.

00:51:20: Dann habe ich auch festgestellt, dass ich schönere Stimme habe als manche andere ... Und da hab ich auch sehr viel Spaß daran gefunden, zu singen und dann vor Leuten stehen zu präsentieren.

00:51:33: Hat dir immer Spaß gemacht?

00:51:34: Ja genau.

00:51:35: Du hast wahrscheinlich auch gutes Feedback bekommen, ne?

00:51:37: Ja,

00:51:38: genau.

00:51:38: Auch nicht unwichtig!

00:51:40: Und mein Eltern haben mir Klavierunterricht ... Sie haben mir selber Klavier-Unterricht gegeben aber sie haben mich zur Klavierunterricht geschickt.

00:51:51: wo ich jetzt nicht so ganz gut war, da hab ich mich immer dagegen gewährt.

00:51:56: Die Klavierlehrerin schlägt mir auf den Finger, wenn ich wenig spült habe oder ein falschen Tonspiele ... Das war auch so richtig kroatische Schule!

00:52:05: Aber das Singen hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht.

00:52:08: Und wann hast du dich entschieden, dass zu deinem Berufsweg zu machen?

00:52:12: Das war dann in Deutschland und ich hatte zum ersten Mal mein Leben zur ordentlich Gesangtsunterricht genommen.

00:52:20: Und da hab ich das auch noch mehr zu lieben gelernt ...

00:52:24: In Dienstlagen oder woher?

00:52:25: Genau, ja.

00:52:27: Zuerst wollte ich eigentlich so Pop-Sachen singen und ich hab meiner Gesangslehrerin gesagt, bitte bloß kein Rock!

00:52:35: Weil Rock ist nicht christlich und äh ... Das wollen meine Eltern nicht.

00:52:40: Aber das hat sich relativ schnell geändert als ich dann auch sehr viel ... durch meine Freunde natürlich auch damals.

00:52:47: Oder halt dann diese Pop-Kultur, was schon recht anders war als in Korea, so verschiedene Reize bekommen hat.

00:52:55: Auch Rock kann auch richtig cool sein!

00:52:56: Es ist nicht unbedingt satanistisch oder?

00:53:00: Da trinkt man kein Blut oder sonstiges.

00:53:01: Das

00:53:01: sehe ich alles der Elfmetto.

00:53:02: Genau,

00:53:03: richtig ja und ich mochte auch sehr Avril Lavigne damals.

00:53:08: Hast du mir

00:53:08: fast die erste Rock-Song, die du selber gesungen hast?

00:53:12: Oh das weiß ich nicht mehr... Na, das weiß ich nicht mehr.

00:53:16: Aber ich hatte auch in der Schule dann halt ... Nachdem ich ihn zur Gymnasium gewechselt hatte vom Hauptschule, hatte ich dann auch so ein Schulband gehabt und da haben wir auch so einen Alternative Rock gesungen.

00:53:28: Ich als Sänger und all meine Freunde haben ordentliche Instrumente gespielt.

00:53:33: Das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht und meiner Liebe zu Musik noch bisschen bestärkt.

00:53:39: Und deine Eltern fanden das okay?

00:53:41: Ja!

00:53:42: Also sie, wie oft in mehreren Decisions die sie mir dann gegeben haben.

00:53:48: Haben Sie das auch so angenommen?

00:53:50: Ja, okay.

00:53:51: Das ist europäisch und so wächst du halt in dein europäischen Leben ein.

00:53:55: Dann müssen wir dich ja loslassen.

00:53:58: Habt

00:53:58: ihr wahrscheinlich gedacht!

00:53:59: Okay... Und dann bist du aber in eine Ausbildung zum klassischen Gesang gegangen.

00:54:04: Genau.

00:54:05: Und das lief über meine Gesangslehrung damals.

00:54:08: Ich wollte erstmal Pop-Sachen singen Und dann hab ich das auch so gelernt, und irgendwann hatte ich mein Traum geformt.

00:54:17: Dann dachte ich, ja, ich möchte Musical studieren eigentlich.

00:54:22: Und dann hat mir meine Gesangstelehrerin gesagt, weil sie war klassisch ausgebildet und viele klassische Sachen gesungen in Kirchen oder Theatern ... Sie hat mir damals eine sehr realistische Einschätzung gegeben.

00:54:41: Und über welchem Jahr sprechen wir?

00:54:43: Das war ja ... oder ... muss es gewesen sein.

00:54:50: Sie hat mir tief in die Augen geschaut und sagte, ich glaube du wärst in Klassik besser aufgebracht weil momentan ist in diesem Musical-Landschaft so das sehr typgemäß besetzt wird dass du zwar du hast schöne Stimme Und du kannst auch den Songs so gut interpretieren und auch Emotionen mitteilen.

00:55:15: Das ist halt eine größte A&O, aber dass man mich mit meinem Aussehen irgendwo besetzen wird.

00:55:25: Ich glaube damals hatte sie auch recht.

00:55:28: Heutzutage sieht das ja Gott sei Dank auch anders aus.

00:55:31: Ansonsten wäre ich nicht in der Volksoper besetzt worden.

00:55:36: Aber in der Oper war es immer anders, finde ich!

00:55:39: Und das war auch ihr Grund, mir den Klassikstudium zu empfehlen.

00:55:43: Weil in Opo hat's schon immer weniger gestört, dass Tamino Asiatisch ist oder Don Carlo Asiatische ist aber der Vater Europäer.

00:55:54: Das hat niemanden

00:55:54: so richtig ...

00:55:55: Genau!

00:55:56: Das hatten niemanden gestört.

00:55:57: Hauptsache derjenige hat gut gesungen und diese Charakter dann so interpretiert, dass man daran glaubt.

00:56:05: Und in Musical ist ja auch immer noch ein bisschen so, aber damals war es viel strenger wie beim Filmkasten.

00:56:14: Dass du sehr nach Typ besetzt wurdest und sie hatte dann Angst gehabt hätte ich da mein Musical Studium begonnen und wäre fertig gewesen in ein paar Jahren, dann hätte ich wahrscheinlich keinen Job gehabt.

00:56:28: Und das war ihre Einschätzung was damals glaube ich die Wahrheit war.

00:56:33: Genau und sie hat gesagt könnte es auch mit einer Stimme in Klassik sehr weit kommen.

00:56:38: Und dann hat sie mir Klassic empfohlen, und das war der Grund, warum ich in Düsseldorf angefangen habe, klassisch einen Gesang zu studieren.

00:56:47: Wie lange warst du da?

00:56:49: In Düsseldov.

00:56:51: Also Regelstudienzeit war halt dann acht Semester.

00:56:54: Ich hab seit Jahrzehnte und zehn angefangen.

00:56:56: Und wie ganz viele im Klassikkstudium verlängert man gerne ... Dann hab ich ... Im zweiten oder dritten Jahr auch dann mit dieser parallel zu Opernstudio bekommen im Krefeld.

00:57:09: Und deshalb konnte ich ein paar Seminare nicht ganz gut verfolgen aufgrund der Mange in der Zeit.

00:57:15: und dann habe ich anderthalb Jahre noch dran gehangen, da war ich ungefähr fünf oder fünfundhalb Jahre im Robot Schumann Musikhochschule.

00:57:25: Solistische Erfahrungen habe ich hauptsächlich in Krefeld-Mönchengladbach gesammelt

00:57:29: Und dann

00:57:31: kam der Ruf nach Wien.

00:57:32: Damals hat mir mein Gesangsprofessor mir den Ausrang weitergeleitet, dass sie halt ein Tui suchen mit dem asiatischen Militär-Offizier.

00:57:45: und da dachte ich so ja zwar habe ich jetzt in Kräfchenmännchen-Gladbach einen guten Beruf Jetzt hab' ich das auch einigermaßen gut etabliert und in diesem Theater konnte ich auch mal Musicals singen wie gesagt Und da war ich eigentlich schon sehr zufrieden.

00:58:02: Aber dann dachte ich so, wie ist Wien?

00:58:06: Wien war ich noch nie damals gewesen und ... aber auch dann richtige Musical-Produktion in Long Run zu machen, was bedeutet das für mich?

00:58:17: War mir auch einiges unklar.

00:58:19: Dann dachte ich ja, das Schlimmste, was ich bekommen kann, ist Nein!

00:58:24: Dann habe ich mich mal dort beworben die Rolle bekommen, da war ich schon sehr überrascht.

00:58:30: Einerseits und aber auch sehr glücklich dass mein Ursprungstraum irgendwie auch ein wenig wahr

00:58:35: geworden ist.

00:58:38: Okay jetzt hast du natürlich mit seiner klassischen Ausbildung ein total gutes Fundament für Musicals.

00:58:46: also ich habe halt in dem in meiner Musical Erfahrung immer mal wieder Sänger erlebt die ein klassisches Fundament haben ... den Mut ins Sauerspiel zu gehen.

00:58:58: Ja, genau!

00:58:59: Und dass die wirklich die besten Voraussetzungen haben um wirklich auch Long-Ranging Shows eben stehen zu können mit der Technik, die sie haben und mit der Disziplin im Umgang mit der Stimme und so was ich halt nie hatte.

00:59:13: Ich bin eigentlich über das Sauerspielen rein gerutscht und konnte halt ein bisschen singen und hab dann Rollen bekommen...

00:59:17: Ganz anderer.

00:59:17: ...die

00:59:17: mich eigentlich überfordert haben wo ich danach arbeiten musste um sie stehen zu kommen.

00:59:21: Das habe ich immer so'n bisschen bereut.

00:59:24: Ich hab dann irgendwann später noch mal zwei Jahre Belcanto nachgelegt, um die Rollen singen zu können, die ich eigentlich gerne spielen würde.

00:59:30: Du hast halt den Weg genommen, der dir eben das Fundament, das technische Fundament gegeben hat und jetzt wirklich loszulegen?

00:59:40: Ja ... Ich weiß nicht, ob du das weißt, aber in österreichischen Talentshow mitgemacht vor ein paar Jahren

00:59:46: war das.

00:59:47: Da bin ich bis zum Finale gekommen.

00:59:50: Da war ich auch selber ein bisschen überrascht.

00:59:52: Und da ging es nicht nur um Gesang oder Musik, sondern da konnte jeder das wie Supertalent.

00:59:59: Ich treu

01:00:00: schen such den Superstar.

01:00:01: Nein eben nicht, da ist ja nur Musik.

01:00:04: Ach so, guck mal, so wenig kenn ich mich noch

01:00:06: aus!

01:00:07: Ja, ich hab das ja auch davor nicht gekannt und das hat mein Agent mal vorgeschlagen, mich dazu bewerben.

01:00:13: Da war erst einmal skeptisch zu sagen was soll ich da?

01:00:16: Und da bin ich dann als Musical-Darsteller aufgetreten.

01:00:20: Ja.

01:00:21: Da gab es aber auch, wie Supertalenter kann ja auch ... Magier sich bewerben oder Tanzgruppen und so.

01:00:29: Na

01:00:29: jetzt hab' ich eingeordnet!

01:00:30: Ah, ja, okay.

01:00:31: Genau.

01:00:32: Ja, da hatte ich dann sehr, sehr gute Erfahrungen machen dürfen bis... Also es gab dann halt erste Runde, zweite Runde und dann dritte Runde war Finale.

01:00:42: Mhm.

01:00:42: Genau, dass ich ... bis zum Finale gekommen bin, war mir eine große Ehre.

01:00:48: Ja, wir waren damals in Kontakt und wir haben einmal essen gegangen kurz vor der finale Runde und so.

01:00:54: Ich habe bald gemerkt wie dich das so plötzlich auch total irgendwie hochgeschwemmt hat was sehr präsent und ... Was hat es mit dir gemacht?

01:01:02: Jetzt sagst du das wieder drei Jahre her.

01:01:04: Wie fühlt sich das heute an

01:01:07: Fühlt sich so wie ein Traum an eigentlich.

01:01:10: Und das war auch wirklich eine sehr wertvolle Erfahrung, bei seiner TV-Produktion dann mitzuwirken.

01:01:18: was läuft dann hinter der Bühne?

01:01:20: Was wird davor gearbeitet und welcher Coachings finden statt oder wie viel Probe tut man dafür?

01:01:27: Und was muss man sich dann mental vorbereiten dafür?

01:01:30: Da habe ich auch dann einiges gelernt.

01:01:32: Auch zu erfahren, die Leute berühren.

01:01:38: Das war auch mir erneut eine positive Überraschung.

01:01:41: Gerade in Österreich, ne?

01:01:43: Genau.

01:01:44: Ich habe dann im zweiten Runde auch dann unstillbare Gier gesungen und da war die Reaktion auch wirklich ganz groß vom Publikum.

01:01:56: Und da war aber auch diese Belastung sehr groß.

01:01:58: natürlich sing ich in Wien Die unsche-diebare Gier.

01:02:01: Das

01:02:02: wurde ein Stück

01:02:03: Uhr aufgeführt, ja genau.

01:02:05: Mach ich da einen kleinen Fehler?

01:02:06: Da würde jeder gemerkt, das soll nicht so sein!

01:02:09: Ein paar Versionen kannten die Leute schon ... Ja genau, von der CD gemessen

01:02:15: und nach der Produktion habe ich jetzt auch nicht ganz große Reichweite gewonnen oder

01:02:22: etc.,

01:02:23: aber wo ich das dann bemerkt hatte, ist auch in der Volksoper oder andere KollegInnen mir dann sehr liebe Zuspruch gegeben haben.

01:02:31: Ja, ich hab dich damals gesehen und das fand ich so toll!

01:02:34: Und dass du dann Musical auch in diesen verschiedenen Talentformaten halt als Musicalsänger das dargestellt hast.

01:02:41: Das hat mich auch da sehr viel bedeutet, haben wir auch eh gesagt... Ja, ein rohlig warmes Gefühl.

01:02:51: Wie bist du mit dem Stress umgegangen?

01:02:53: Wenn Du sagst das war gerade dieses Bewusstsein in Wien kennt man diesen Song von Joe Syridge oder Thomas Borcher.

01:03:03: Die großen ... die ja vielleicht auch eine Zeit lang für Dich irgendwie Orientierung oder Vorbilder waren

01:03:09: oder was?

01:03:09: Genau ich hab verschiedene Versionen angehört natürlich und mein Anliegen war dass ich vor allem wirklich da als Roller stehe und diese Emotionen und Texten, das Publikum so nah wie möglich dann mitteile.

01:03:22: Ich hab auch mit Aris damals ... ja, Arissaas der original Alfred war genau um den Rat gebeten.

01:03:31: Ja was soll ich denn darauf achten?

01:03:33: Und er hat mir genau diesen Tipp gegeben.

01:03:36: Ich soll wirklich eine Geschichte erzählen also nicht so wirklich um meinen Gesangskunst zu zeigen.

01:03:42: Sondern wenn es kommt, kommt es aber das muss nicht aus Technik dann irgendwie entstehen so einen tollen Gesangstechnik und dass ich dann gut stütze oder so ist zwar auch wichtig, aber da das halt der Ansatzpunkt

01:03:56: von

01:03:56: meinem Herzen ist ja genau und das habe ich sehr zu Herzen genommen und so gut wie es geht zu meiner damaligen Nervosen Situation umzusetzen.

01:04:09: Und ich glaube, dass es Gott sei Dank gelungen.

01:04:11: Ich glaube das eine ist sozusagen sich jemanden in so einer Situation auch Hilfe zu holen.

01:04:17: Zu sagen, ich weiß zwar eigentlich viel ich mit zum Song umgehe aber vielleicht krieg ich noch Wert vor der Impulse von woanders.

01:04:24: Aber hast du mit dir selber einen Umgang um mit Stress umzugehen?

01:04:29: Also hast du bestimmte Arzt und Techniken oder eine Form von Meditation Dann gehst du in den Wald oder du hörst einen Klassik?

01:04:37: Oder gibt es irgendwas, was dich stärkt in so einer Situation, was dir hilft mit diesem nervlichen Stress umzugehen.

01:04:42: Ja auf jeden Fall kurz mal im Moment alleine sein und die Musik in meinem Kopf mal ganz in Ruhe für mich alleine durchgehen zu lassen und den Text auch nicht einmal ausgesprochen sondern immer in meinen Kopf danach nachzudenken.

01:05:01: Und das hilft mir auf jeden fall Und ich bin so ein Typ davor, vor dieser aktiven Stress- oder aktiver Situation ... bin ich relativ gelassen.

01:05:13: Mhm.

01:05:14: Aber das fängt dann immer ... sag ich mal eine Minute vor dem Auftritt an!

01:05:19: Du weißt, dass es dann kommt und dich dann

01:05:21: hinten überrollt?

01:05:22: Dann kann ich meine Hände nicht kontrollieren.

01:05:25: Auch vor allem in Auditionssituationen auch.

01:05:28: Dann hab' ich dann auch so einen Trick ... für mich dann halt irgendwie gefunden, dass ich dann wirklich keine große Geste mache.

01:05:35: Wo ich meine Hand dann ausstrecke ... Dann sieht

01:05:39: man das Zitter an!

01:05:40: Alles was man sieht ist mein Zitter in der Hand und keine stille Prose weil da ist es ganz klar, dass meine Hand zittert sondern eher so eine Bewegung zu machen und dass er's nicht stockt.

01:05:54: Und das hab' ich dann irgendwie lernen müssen nach jahrelangen Erfahrungen Mhm.

01:05:59: Aber trotzdem ... Was mir sehr gut geholfen hat, lustige Weise, wo mich dich auch davor noch nie gearbeitet hat und bis jetzt nicht nur in diese Fernsehproduktion-Situation ist die Umgang mit Inners.

01:06:13: Hast du oft mit Iniers gearbeitet?

01:06:15: In der Agapella-Zeit haben wir Inners benutzt.

01:06:17: Das hat mir lustig eine Klarheit gegeben, weil wenn du Inniers in deinen Ohren drin hast dann bist ja so ... so abgeschlossen, also du bist ja in deinem eigenen Raum.

01:06:29: Du nimmst auditiv deine Umgebung halt gar nicht mehr wahr sondern nur die Musik und deine Stimme.

01:06:37: Und das hat mir in dieser Situation auch ein Schutzraum gegeben dass ich zwar sehe, dass dort Leute sitzen auch mit Scheinwerfern ist er auch dann bisschen beeinträgtigt und da hatte ich einen Gefühl, dass ich dann irgendwie ganz alleine bin

01:06:56: Wie mein

01:06:56: eigener Raum.

01:06:57: Und damit hat sich eine sehr positive Erfahrung gemacht, dass meine Nervosität dadurch abgemildert wurde, weil ich in einem komischweiligen Safe Space bin, obwohl ich da auf der großen Bühne bin und tausende Leute schauen mir zu.

01:07:14: Da hatte ich meine eigene Privatsphäre.

01:07:17: Das war eine Erfahrung die ich noch nie gemacht habe ... Aber in der dritten Runde wurde es mir zu einem Verhängnis, weil ich dann meine Vibrato im Kopf ganz anders wahrgenommen hatte.

01:07:32: Und dann dachte ich, ich singe nicht laut genug oder mein Thron hat gerade keinen Ertrag weiter und habe ein bisschen mehr gegeben.

01:07:42: Dann war ich ein bisschen heiser.

01:07:46: Das hat mich auch mental sehr gestresst.

01:07:50: Und ich bin auch ein Person, wenn meine Stimme nicht ganz gut geht.

01:07:55: Dann geht's mir auch nicht gut.

01:07:56: Ich weiß nicht, ob du das auch hast oder

01:07:58: ... Ob ich das kenne?

01:08:00: Ja!

01:08:00: Die ersten zehn Jahre in meiner Musical-Laufbahn habe ich beständig Stimtherapie parallel gemacht und war nie stimmlich in meiner Kraft.

01:08:09: Für mich war damals eine ganz wichtige Lektion zu merken, dass sich mein Selbstwert tatsächlich an meiner Stimme festmacht irgendwie loszulassen.

01:08:19: Ich hatte dann auch gerade in Wien einen Riesen-Miserfolg, dass mir mein Cover genommen wurde weil ich es nicht singen konnte.

01:08:28: und nein!

01:08:28: Dann habe ich mich festgesungen durch den Ideen bekommen wie ein Stimmbadoperation gehabt mit der laufenden Produktion und hab in der Zeit versucht irgendwie tiefer zu gehen, zu gucken was ist.

01:08:39: Was bleibt von mir als Mensch wenn ich mich nicht durch meine Stimme beweisen kann sozusagen?

01:08:44: Ja das ist mir auch ein großes Thema.

01:08:48: Nein klar es ist halt weil es so viel mit der Persönlichkeit zu tun hat und man zeigt so viel über die Stimme dass man sich eigentlich damit identifiziert.

01:08:57: ja

01:08:58: und in Wirklichkeit ist dein Wert als Mensch von deiner Leistung als Sänger komplett unabhängig.

01:09:05: Ja,

01:09:05: und vor allem weil Stimme wirklich was Persönliches ist.

01:09:09: Und wir als Sänger produzieren ja die Töne nicht durch ein Instrument sondern halt wirklich mit deinem eigenen Körper und mit deiner eigen Stimme was sehr unique ist und du wirst dann auch wenn du dann Kritik erfährst Dann nimmst du dich.

01:09:29: Ja, genau.

01:09:30: Es ist leicht gesagt das getan und ich glaube dass begleitet uns dann immer lebendlang ein bisschen.

01:09:38: Du kannst nur damit besser umgehen.

01:09:42: Ganz kurz auf dieses Erlebnis wo du gesagt hast du hattest das Gefühl in deinem eigenen Raum zu sein Also diese Hörqualität.

01:09:52: Ich kenne es total gut Dass man das Gefühl hat wenn man optimale Bedingungen hat, ob das mit der Band ist und einem guten Monitoring oder auf dem Studio bist.

01:10:03: Und dass genau die richtige Abstimmung zwischen Musik und deiner eigene Stimme, dass du tatsächlich dich quasi in die Tiefe begeben kannst.

01:10:12: Und andererseits bist du ja davon abhängig, dass es eben optimal gemischt ist.

01:10:15: Dass du wirklich weißt in welches Verhältnis du brauchst, das du auch genau sagen kannst.

01:10:21: Jetzt habe ich zu viel vom Keyboard auf... oder kannst du das Schlachtzeug missen runterdrehen?

01:10:25: Also spezifisch zu hören und Feedback zu geben.

01:10:28: Das haben wir auf der Schauspielmusik-Schule nicht gelernt.

01:10:32: Ich hab ganz viele Kollegen getroffen die nicht spezific Feedback geben können aber ich hab's eben bei denen Wirklich erfolgreichen Musical-Darstellern, mit denen ich gearbeitet hab gesehen.

01:10:41: Dass die das genau können?

01:10:43: Ja, das habe auch lernen müssen.

01:10:45: Weil in meinem Klassikstudium hatte ich ja sowieso keine Ahnung wie ...

01:10:49: Mit Mikrofonen zu gehen ist.

01:10:52: und die Monika Ballwein, ich weiß nicht ob du sie kennst.

01:10:55: Sie ist Gesangselehrerin auch in Wien aber singt selber super viel Und vor allem bei ORF ist sie die Gesangscoach Und sie hat mit mir dann auch gearbeitet und sie hat mich auch beigebracht, wie man auf der Bühne im Charakter Mikrofon von Ständer wegnehmen kann.

01:11:13: Aber auch ohne großen Tamtam wieder gut einsetzen kann ... Hab

01:11:18: ich auch gelernt.

01:11:21: Sie hat mir mit einfachen Handgriffen gezeigt, so geht das leicht rein und da musst du nicht fummeln ...

01:11:28: Dann ploppt es

01:11:31: nicht!

01:11:33: Man lernt nie aus.

01:11:36: Und du hast ja gesagt in diesem eigenen Raum sein, da bist du natürlich durch diese Technik gewissermaßen ausgeliefert.

01:11:43: Wenn das nicht klappt, dann stehst du da, kannst nix machen?

01:11:49: Aber als wenn die optimalen Bedingungen stimmen.

01:11:52: Und das war so in den ersten zwei Runden, genau?

01:11:58: Ja, das war wie eine Meditation.

01:12:01: Ich steh da auch irgendwie alleine ... Natürlich weiß ich nicht alleine aber dann war ich doch irgendwie alleine und hab diese Klarheit in meinem Kopf gefunden dass ich dann da bin.

01:12:14: Ich höre Musik, ich höre Playback Ich erzähle eine Geschichte und dann hören Sie mir zu.

01:12:23: Ist eigentlich wie ein heiliger Moment, oder?

01:12:24: Ja!

01:12:25: Genau, so ein sakraler Moment war das ja.

01:12:30: Ich möchte zur Abschlussfrage kommen.

01:12:33: Wobei wir gesagt haben, ich habe noch viele Fragen gekommen.

01:12:37: Lassen wir das offen.

01:12:38: Ähm ... Ich bin da von überzeugt, deshalb hab' ich diese Podcastreihe gestartet, dass wir in einer Welt leben, in der höheren unterbewertet ist.

01:12:49: Also die Bedeutung von hören und das, was es mit uns macht.

01:12:52: Was

01:12:53: hören in unserem Verhältnis zur Welt?

01:12:58: Was würdest du sagen würde mit der Welt passieren wenn mehr Menschen bewusst hören?

01:13:06: Ich glaube dann werden da viel weniger Konflikte Wenn man bewusst den gegenüberstehenden hören würde Und ohne Hintergedanken oder ohne, indem man selber gerade, in dem man zuhört irgendwie nachdenkt.

01:13:26: Was ist das jetzt danach?

01:13:28: Oder was mache ich heute zu essen?

01:13:31: Dass man wirklich dann denjenigen hören würde, dann würden wir viel mehr verstehen.

01:13:37: Mhm.

01:13:38: Was macht höhere dir also wofür benutzt du bewusstes Hören?

01:13:46: Das... Das ist eine gute Frage weil ich glaube momentan in meinem Leben, wo ich bin.

01:13:56: Gibt's Hörn im Überfluss?

01:13:58: Aber ich kann auch ... zum Beispiel wenn ich im Joggen gehe oder im Fitnessstudio bin dann muss sich irgendwas hören aber das ist halt eher Hintergrundbeschallung und dass es mich irgendwie unterhält.

01:14:13: Wenn ich mal Zeit nehme, in Ruhe Musik zu hören bewusst ein Titel auszuwählen Das hatte ich jetzt lang nicht mehr gemacht, glaube ich.

01:14:23: Weil hören ist ja bei uns auch dann beruflich so veranlagt, dass wir ... Wenn wir etwas vorbereiten, das auch in Dauerschlafe hören und dass es halt ein Teil von unseres Lebens isst, auch dann Beruflich aber das habe ich lange nicht mehr gemacht, dass sich dann wirklich bewusst gehört habe.

01:14:44: Jetzt wo du's fragst, fällt mir ein.

01:14:47: Was sollte ich mal machen?

01:14:49: Das war bestimmt früher ein wichtiger Teil in deinem Leben, oder?

01:14:52: Ich glaube ja.

01:14:54: Und vor allem als so Spotify- oder YouTube nicht geabt und ich bin ja in dieser Generation was beides so erlebt hat sowohl die Zeit davor als die Zeit danach und wo wir auch kein Smartphone hatten.

01:15:10: da war der Zugang auch ganz anders zum hören oder Musik.

01:15:16: Und da hat man wirklich Zeit genommen, dann hat man aktiv eine CD oder LP-Platten ausgewählt.

01:15:21: Das da reingelegt und auf Playtaste gedrückt.

01:15:26: Dann hat man das gehört.

01:15:28: Auch heutzutage ist es sehr leicht daran zu kommen.

01:15:33: Vielleicht hat man diese Dankbarkeit ein bisschen ausgeblendet.

01:15:37: Was man eigentlich zur Verfügung hat was für Craftmanship steht?

01:15:43: hinter dieser Musik oder hinter ... Die Wertschätzung.

01:15:46: Genau, die Wertschätzung.

01:15:47: Obwohl wir genau wissen wie viel Aufwand das ist?

01:15:50: Eben ja!

01:15:50: Nehmt es dann irgendwann?

01:15:51: selbstverständlich ne?

01:15:52: Und so auch wenn wir das Wissen ich zumindest blende's dann manchmal aus weil dass halt eine Natürlichkeit ist.

01:16:01: natürlich höre ich Musik Wenn ich etwas mache.

01:16:03: natürlich muss da in Hintigung was laufen.

01:16:06: Aber dieses aktives hören sollte vielleicht mehr präsenter sein Vielleicht Ja, das sollte man jetzt aktiver auch mal machen.

01:16:20: Natürlich wenn wir ins Theater gehen oder bewusst ins Konzert gehen dann hört man natürlich aktiv zu.

01:16:28: Aber im Alltag hatte ich es früher gemacht aber halt nicht mehr.

01:16:36: und jetzt fällt mir ein Lied ein was ich auch sehr gemocht hatte heißt Car Radio von Twenty One Pilots.

01:16:45: Es ist ein sehr emotionales Lied, auch aggressiv aus Zweifel heraus.

01:16:53: Und es geht darum, dass ein Autoradio gestohlen wurde und man da sitzt mit eigenen Gedanken um sich alleine.

01:17:03: Dann rastet er aus.

01:17:04: was soll ich damit machen?

01:17:05: Jetzt gibt's keine Dauerbeschallung mehr.

01:17:08: jetzt bin ich in meinem Auto in stundenlangen Fahrten allein mit mir ...

01:17:13: gemein.

01:17:14: Ja, und?

01:17:16: Ich habe

01:17:16: auch eine Chance.

01:17:17: Auch eine Chance ja!

01:17:21: James vielen Dank.

01:17:22: Danke dass du dir die Zeit genommen hast.

01:17:23: Danke für deine Offenheit.

01:17:25: Danke ich danke dir.

01:17:26: Ich freue mich sehr das wir diese Folge gemeinsam rausbringen.

01:17:30: Ja ich habe auch sehr viel gelernt dank dir.

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